„Mein Schillerjahr oder was das Holokaust ist “

Posted by Klaus on 26th Dezember 2007 in Gerhard Wagner

Mein Schillerjahr oder das, was das Holokaust ist
                                                      

Schiller-Denkmal 1945

Versammlung vor dem Schillerdenkmal zu Zeiten, da es noch keine so genannten Mitbürgerinnen und Mitbürger mit so genanntem Migrationshintergrund in Stuttgart gab.

    
17.12.2007
Lieber Bernhard Kübler!
In meiner Rubrik eines Stuttgarter Blog werde ich zum Jahresbeginn in Wort und Bild über die Entwicklung, Durchführung und Resonanz meiner Aktion am 27. Januar 2008 als dem Jahrestag der Befreiung von Auschwitz am Schillerdenkmal berichten. Der erste Eintrag dieses Hintereinanders wird den Titel „Mein Schillerjahr oder was das Holokaust ist“ haben. Ich werde darin auch auf die Unterstützung der Landeshauptstadt Stuttgart in ihrer Gestalt als Bezirksbeirat Ost hinweisen. Weil es Öffentliche Mittel sind, werde ich sie sparsam verwenden

Meine Rubrik gehört zu einem sehr aktuellen, vielseitigen und entsprechend häufig aufgerufenen Blog mit starkem Bezug zum Stuttgarter Osten. Deshalb erinnere ich Dich an Deine Ansprache als Bezirksvorsteher anlässlich des 3. Krautwickelwettbewerbes 2003.

Da hattest Du, zu mir gewandt, auf den Ursprung desselben bezogen, so oder so ähnlich gesagt, dass ich mit meiner einstigen Aufforderung zum Wettkochen „ja eine ganz schöne Lawine losgetreten“ hätte.

Weil ich es nicht ausschließen kann, dass sich die Anzahl der Besucher dieser Aktion zu einer solchen Lawine vermehrt, bitte ich Dich, Herrn Dr. Schairer als den Leiter des Amtes für Öffentliche Ordnung mittels Weiterleitung dieses Schreibens darüber zu informieren, was in seinem Zuständigkeitsbereich geschieht. Du hast mich ihm ja bereits bei seinem Abend im Muse-O vorgestellt, als wir nebeneinander saßen, und zwar mit den folgenden Worten vorgestellt: „Das ist Herr Wagner, unser Schriftsteller“.

Hier meine erste Zusammenfassung: Nachdem Du mir bei unserem Gespräch während des jüngsten Krautwickelwettbewerbs Krautwickelwettbewerb in der Friedenau geraten hattest, beim Bezirksbeirat einen Antrag auf Unterstützung zu stellen, meldete ich mein Vorhaben auch beim Ordnungsamt an.
Nach dessen Rückfrage beim Kulturamt erhielt ich den Bescheid mit den üblichen Hinweisen und der ausdrücklichen Auflage, den Denkmalsockel nicht mit Neckarwasser abzuwaschen, mit Baby-Öl einzureiben und ihn auch nicht mit einem Banner zu umwickeln oder „sonst wie“ zu „behängen“.
Ich werde die Auflagen natürlich mit „untertänigstem Hautschauern“ erfüllen, und habe deshalb bereits bei der Kanuanlegestelle am Wasenufer gegenüber dem Gaskessel (km 184) an die sieben Liter Wasser entnommen, worüber im genannten Blog berichtet werden wird. Das 24 Meter lange Banner ist bald fertig, und anstelle von Baby-Öl werde ich Kartoffelmehl verwenden.

Schließlich hatte mir das Ordnungsamt vor zehn Jahren zu Schillers 240. Geburtstag sehr freundlich und ausdrücklich die Genehmigung gegeben, dort Neckarwasser und Baby-Öl zu verwenden, wovon Du Dich mit dieser Verknüpfung überzeugen kannst, die gewissermaßen als Vorlauf Schillerdenkmal bereits im Blog zu finden ist.

Wie Du ja schon weißt, steht die Schillerdenkmalsaktion als „Denk mal mit Schiller“ am Beginn eines Textes, der sich als abschließende fünfte Folge von Texten meines Romanprojekts über den Stuttgarter Osten auch als Beitrag zu Schillers 250. Geburtstag 2009 versteht.

Dieses Projekt hatte ich 1990 mit dem Text „Gaskessel mit Buchenallee“ und dessen Anfang als Gaskesselspiel  Lurchi auf dem Gaskessel begonnen. Schon damals hatte ich unter Bezugnahme auf Autoren wie Schelling oder Schiller das Leben in meinem Stadtteil auch unter den Gesichtspunkten Nationalsozialismus und Nationalsozialismusfolgenbewältigung betrachtet, und bin auch bei den drei darauf folgenden Texten bis 2000 bei meinem einmal gewonnen Standpunkt geblieben.

Welche Befreiung mit seinen auch im Stuttgarter Osten spürbaren Folgen für diesen Standpunkt bedeutet, erlebe ich, seitdem ich mich im Sommer 2007 entschlossen hatte, das Romanprojekt mit diesem Text samt seinem Schwerpunkt Schiller zu beschließen. Doch erst durch unser Krautwickelwettbewerbsgespräch im Oktober war ich auf den Gedanken gekommen, die Sache mit einer solchen Denk-Aktion zu beginnen. Dafür danke ich Dir und bleibe mit einer einschlägigen Verknüpfung zum Schillerdenkmal Stuttgarter Liederkranz.

Dein Gerhard Wagner
GenehmigungKriegsschiff Plan Schillerplatz

Verantwortlich für den Inhalt und Text Gerhard Wagner

One Response to “„Mein Schillerjahr oder was das Holokaust ist “”

  1. stratkon sagt:

    Hallo, hinsichtlich des Denkmalbildes nicht ganz richtig. Es dauerte einige Zeit, so bis ca. 1948, bis alle Zwangsarbeiter wieder in ihre angestammte Heimat reisen konnten/durften. Sofern sie wollten.
    Dennoch ist das Bild des Schiller-Denkmals vor dem Hintergrund der Ruine tröstlich, denn es erinnert uns an Werte, die weder der nationalsozialistische Rassen- und Kriegswahn, noch der alliierte Bombenterror zerstören konnrten.
    Wer kann diesen kulturellen Güterschatz einer Döner- und McKotz-Gesellschaft erschließen?
    LG stratkon

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