500 Jahre Armer Konrad: Vier Städte – eine Ausstellung

10. Mai – 28. September 2014

RZ-PostkarteAuf Anregung des Fellbacher Ober- bürgermeisters Christoph Palm schlossen sich die vier Kommunen Fellbach, Schorndorf, Waiblingen und Weinstadt zu einem großen interkommunalen Projekt zusammen, dessen Herzstück die Jubiläumsausstellung ist, die von einem üppigen Rahmenprogramm begleitet wird. Für Koordinierung und Organisation des Gesamtprojekts federführend war das Kulturamt Fellbach unter Leitung von Christa Linsenmaier-Wolf. Die Ausstellung findet vom 10. Mai bis 28. September 2014 statt. Das Projekt wird gefördert durch den Kulturfonds der Baden-Württemberg Stiftung.

HISTORISCHER HINTERGRUND

Der Aufstand des „Armen Konrad“ stellt das erste übergreifende Aufbegehren des Volkes gegen die politische Obrigkeit in Württemberg dar. Er ist somit als der wichtigste Vorläufer des Deutschen Bauernkrieges von 1525 anzusehen. Der Name der Aufstandsbewegung setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Konrad war im 16. Jahrhundert einer der häufigsten Männernamen der Region und stand für „Jedermann“. Der Zusatz „Arm“ verweist nicht auf die Mittellosigkeit der Mitglieder, sondern auf ihre geringen politischen Mitwirkungsrechte. Wer gehörte nun zum „Armen Konrad“? Obwohl sich an der Bewegung auch Bürgermeister, Ratsmitglieder, Schultheißen, Pfarrer und Ärzte beteiligten, waren die Hauptakteure des Geheimbundes die Bauern und Handwerker.
Im späten Mittelalter gab es im Verhältnis von Einzelpersonen, Gemeinde, Amtsverband, Landschaftsvertretung, Bürokratie und Landesherr noch Spielräume, die auch den dörflichen Gemeinden Chancen für politische Mitbestimmung ließen. Kam es daher zu massiven Eingriffenin die gewohnten Freiräume und gewachsenen Strukturen, schlossen sich die Betroffenen zu aktivem Widerstand zusammen.

Wasserprobe-SchivertWarum kam es gerade 1514 in Württemberg zum Aufstand?

Der junge, in Stuttgart regierende Herzog Ulrich war stark verschuldet. Um einen Bankrott abzuwenden, erließ er eine Mehrwertsteuer auf Lebensmittel (Fleisch, Getreide, Wein), die Arm und Reich gleichermaßen traf. Dies war eine Provokation in einer Zeit, in der der Getreidepreis aufgrund wiederholter Missernten seit 1509 ohnehin schon explodiert war.

Herzog Ulrich führte neue, leichtere Gewichte ein, die im ganzen Land verteilt wurden. Daraufhin begehrte Gaispeter aus Beutelsbach auf: Er nahm einem Metzger die neuen Gewichte weg und schleuderte sie in die Rems mit den Worten: „Haben die Bauern recht, so fall zu Boden, hat aber unser Herr recht, so schwimm‘ empor.“ Das Ergebnis fiel zu Ungunsten des Herzogs aus und Gaispeter wurde zu einer Galionsfigur der Bewegung. Obwohl diese „Wasserprobe“ nicht wissenschaftlich gesichert ist, kann es sich durchaus so abgespielt haben.

Wenig später jedenfalls versammelte Gaispeter eine zahlreiche Schar auf dem Beutelsbacher Kappelberg, die sich bedrohlich in Richtung Schorndorf in Bewegung setzte. Zwar konnten der Magistrat und eine Abordnung aus Stuttgart die Aufständischen beruhigen, doch wenige Tage später, am 8. Mai 1514, brach der Aufstand u.a. in Markgröningen aus. Herzog Ulrich nahm daraufhin die Steuer wieder zurück.

Doch der Aufruhr war nicht mehr zu stoppen. Die Aufständischen trafen eine geheime Verabredung, sich beim Kirchweihfest in Untertürkheim (28. Mai) erneut zu versammeln. Danach griff der „Arme Konrad“ binnen weniger Tage auf das ganze Land über. Ziel der Aufständischen war eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung an der politischen Willensbildung.

Herzog Ulrich konnte den „Armen Konrad“ nun nicht mehr ignorieren. Er berief einen ordentlichen Landtag ein und versprach, lokale Beschwerden über die beklagten Zustände entgegenzunehmen. Allerdings berief er auf Druck der Ehrbarkeit zwei Landtage ein, einen in Tübingen für die Abgeordneten der Städte und einen in Stuttgart für die dörflichen Vertreter aus den Ämtern.
Während der Tübinger Landtag tatsächlich tagte, wurde der Stuttgart Landtag schlichtweg missachtet.

Dabei hatten die dörflichen Vertreter Einiges vorzubringen. Hauptklagepunkte waren die Verschwendung der Gelder, Eigennutz, Bestechlichkeit und Vetternwirtschaft sowie Zentralisierungstendenzen und Gebührenerhöhung.
Man wandte sich vor allem gegen die Missachtung gewachsener lokaler Rechte. Die Ehrbarkeit wiederum forderte eine Mitbestimmung der Landtage bei der Erhebung von Steuern, Veräußerung von Landesteilen oder Kriegseintritt. Besonderen Wert legte man auf Rechtssicherheit und kommunale Eigenständigkeit.

Die Beschwerden der Ehrbarkeit wurden in Tübingen verhandelt. Der Landtag erklärte sich bereit, die Schulden des Herzogs zu übernehmen. Im Gegenzug musste Herzog Ulrich die meisten Beschwerden des Landtags anerkennen. Er verzichtete somit auf eine eigenmächtige Steuererhebung, räumte ihm ein Mitbestimmungsrecht beim Eintritt in größere Kriege und ein Zustimmungsrecht zur Veräußerung von Landesteilen ein. Auch die persönlichen Grundrechte wurden erweitert: So gewährte der Herzog den Einwohnern eine Freizügigkeit über die Landesgrenzen hinaus. Zudem hatten sie Anspruch auf ein Gerichtsverfahren bei Klage auf Leib und Leben. Neben diesen Zugeständnissen setzte sich der Herzog jedoch in einem Punkt durch: Er erließ eine strenge Strafbestimmung gegenüber künftigen Aufrührern, welche ab jetzt die Todesstrafe erwartete.

Wurde man in Tübingen handelseinig, warteten die dörflichen Vertreter in Stuttgart vergebens auf die Ankunft des Herzogs, um ihm ihre Beschwerden vorzutragen. Ulrich war des Verhandelns müde und schickte die Abgeordneten nach Hause, wo sie von Beamten angehört werden sollten. Nach diesem Affront war es nicht weiter verwunderlich, dass die Huldigung auf den Tübinger Vertrag vielerorts abgelehnt und das Remstal erneut zum Mittelpunkt offenen Aufruhrs wurde. In Schorndorf drangen die Aufständischen in die Stadt ein und übernahmen die Macht. Sie scharten eine mehrtausendköpfige Menge um sich, die das Gebiet um Schorndorf beherrschte. Schließlich versammelten sich die Aufständischen erneut auf dem Kappelberg bei Beutelsbach, gaben ihren Widerstand allerdings schon beim Heranrücken einer relativ kleinen militärischen Einheit auf.
Um dem Aufstand endgültig ein Ende zu bereiten, ließ Herzog Ulrich am 7./8. August beim Blutgericht von Schorndorf zehn der Anführer hinrichten. Mit der Verhängung der kaiserlichen Acht über die Flüchtigen wegen Landfriedensbruchs endete der Aufstand des „Armen Konrad“.
Wie ist der „Arme Konrad“ zu beurteilen? Zunächst einmal kann man feststellen, dass der „gemeine Mann“ auf ganzer Linie dem sich ausbildenden Territorialstaat unterlag: Er erhielt keinen Sitz im Landtag, keine Ausweitung der politischen Mitbestimmung in der Gemeinde und keine Sicherung der althergebrachten Rechte. Dennoch war der Aufstand nicht gänzlich erfolglos: Mittel- und langfristig erreichte man die Anhörung und Prüfung der Beschwerden des „gemeinen Mannes“. In der Folge wurden bedeutende Verbesserungen im ländlichen Bereich eingeführt, z.B. die Regelung zur Prävention von Wildschäden und die Absetzung korrupter Beamter. Zudem erhielten die ländlichen Gemeinden eine vertragliche Absicherung ihrer häufig nur mündlich überlieferten Rechte. Dies stellte ein wichtiges Rechtsinstrument gegen weitere Zugriffe der Herrschaft im 17. und 18. Jahrhundert dar. Der „gemeine Mann“ wurde somit zu einem politischen Faktor, den die Herrschaft nicht länger ignorieren konnte.

WAS BEDEUTET „ARMER KONRAD“?
Konrad war im 16. Jahrhundert einer der häufigsten Männernamen in der Region und stand hier stellvertretend für „Jedermann“. Der Zusatz „arm“ bedeutet nicht arm im finanziellen Sinn, sondern arm an politischen Mitwirkungsrechten.

NUR EIN BAUERNAUFSTAND?
Eine Besonderheit des „Armen Konrad“ lag in der Zusammensetzung seiner Anhängerschaft.
Die Quellen nennen unter den Aufständischen Bürgermeister, Ratsmitglieder, Schultheißen, Pfarrer und Ärzte („Ehrbarkeit“). Hauptakteure und Träger der Bewegung waren jedoch Bauern, Weingärtner und Handwerker.

EINE STEUER ALS AUSLÖSER

„Steine des Anstoßes“ für den Aufstand waren neue Gewichte. Mit ihrer Hilfe wollte Herzog Ulrich von Württemberg eine neue Steuer auf Fleisch eintreiben: Die Gewichte sollten z.B. für ein Pfund gelten, waren aber tatsächlich leichter, obwohl der Preis gleich blieb. Diese Mogelpackung empörte die einfachen Leute. Als der Herzog von den bedrohlichen Protesten hörte, zog er die Steuer zurück.

UNZUFRIEDENHEIT MIT DER OBRIGKEIT
Zu spät – lang aufgestauter Unmut der Untertanen kochte hoch: Jagd- und Wildschäden, Eingriffe in die lokale Gerichtsbarkeit und Korruptionsvorwürfe gegen herzogliche Amtsträger standen im Vordergrund.

Es gäbe noch einiges über dieses Themazu zu schreiben, am besten Ihr seht Euch diese Ausstellung an.

Austellungsorte:

Stadtmuseum Fellbach
Stadtmuseum Schorndorf
Haus der Stadtgeschichte Waiblingen
Bauernkriegsmuseum Weinstadt

Infos unter armerkonrad2014
Geschichtsverein-Köngen.de/ArmKonrad.htm
Die erste Revolution Württembergs

Fotos vom Veranstalter

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