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Online-Portal zur Geschichte des Nationalsozialismus im Südwesten

Posted by Klaus on 10th Januar 2015 in Allgemein

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer hat gemeinsam mit den Vorsitzenden der Historikerkommission des Forschungsprojekts „Geschichte der Landesministerien in Baden und Württemberg in der Zeit des Nationalsozialismus“, Prof. Dr. Wolfram Pyta (Universität Stuttgart) und Prof. Dr. Edgar Wolfrum (Universität Heidelberg), ein begleitendes Online-Portal des Forschungsprojekts der Öffentlichkeit vorgestellt und freigeschaltet.

„Mit dem Portal als ein Bestandteil digitaler Kommunikation schaffen wir die breite öffentliche Reichweite, die eine aufgeklärte Erinnerungskultur in der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit benötigt“, sagte Bauer.

Mit dem Online-Portal verfolge die das Forschungsprojekt bearbeitende Historikerkommission den ‚Public-History‘ genannten Ansatz, das in der Öffentlichkeit vorhandene Interesse an der Erforschung der NS-Geschichte der Landesministerien projektbegleitend zu aktivieren und gezielt in den wissenschaftlichen Arbeitsprozess einzubeziehen, so die Ministerin.

„Public History gewährt Einblicke in die Werkstatt dieses Projekts, und beweist auf diese Weise auch, dass Wissenschaft kein Elfenbeinturm ist. Das Online-Portal ist ein Angebot an die historisch interessierte Öffentlichkeit und will zu einem Austausch zwischen Geschichtswissenschaft und Öffentlichkeit anregen“, sagte Prof. Wolfrum.

„Mit dem Portal wollen wir die Öffentlichkeit  über Zwischenergebnisse des Projekts informieren. Da es sich bei den online präsentierten Funden nicht um Endresultate des gerade begonnenen Projekts handelt, besteht für Nutzer die Gelegenheit, das Projektteam mit sachdienlichen Hinweisen und im Idealfall sogar mit noch in Privatbesitz befindlichen Dokumenten zu unterstützen, die in den Forschungsprozess einfließen könnten“, ergänzte Prof. Pyta.

Der von dem Portal ausgehende Impuls richte sich insbesondere auch an Schulen, so Bauer, Pyta und Wolfrum. Geschichte sei Aufklärung, und Aufklärung brauche Reichweite, die nur über die Öffentlichkeit ausreichend hergestellt werden könne. Das Wissenschaftsministerium stellt für die Realisierung des Portals und den damit verfolgten Public-History-Ansatz 80.000 Euro zur Verfügung. Die Finanzierung des Projektes selbst erfolgt über eine Zuwendung der Baden-Württemberg Stiftung in Höhe von 1,45 Millionen Euro für eine dreijährige Projektlaufzeit bis 2017. „Die Baden-Württemberg Stiftung freut sich, dass mit der Freischaltung der Internetseite die Öffentlichkeit aktiv in die Untersuchungen mit einbezogen werden kann. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Stärkung einer geschichtsbewussten demokratischen Zivilgesellschaft in unserem Land“, sagte Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung.

Die  Historikerkommission hat sich zum Ziel gesetzt, eine umfassende kulturgeschichtliche Aufarbeitung des Selbstverständnisses und der Handlungsprinzipien der damaligen Ministerialverwaltung sowie des Wechselverhältnisses zwischen Bürokratie und politischer Entscheidungsfindung vorzunehmen. Das Forschungskonzept soll Baden-Württemberg auf einem wichtigen international anschlussfähigen Forschungsfeld eine Vorreiterrolle sichern und zugleich einen wichtigen Beitrag zur europäischen Bürokratiegeschichte leisten.

Für die Landesregierung sei dieses anspruchsvolle Forschungsprojekt von immenser Bedeutung, da dabei die Rolle der institutionellen Vorläufer der heutigen Landesministerien systematisch untersucht und historisch bewertet werde, so Bauer. „Das Land selbst macht sich damit ehrlich vor seiner Geschichte und bekennt sich zur bleibenden historischen Verantwortung seiner Institutionen.“

Geschichte der Landesministerien in Baden und Württemberg in der Zeit des Nationalsozialismus

Erinnerung an die Deportation nach Riga vor 75 Jahren

Zeichen der Erinnerung StgtMittwoch , 30. November 2016, 19:30 Uhr – 21:30 Uhr
Martinskirche, Eckartstr. 2, 70191 Stuttgart

Am Morgen des 1. Dezember 1941 verließ der  Personenzug DA 33 den Stuttgarter Nordbahnhof.  Die ersten tausend württembergischen Juden, fuhren ihrer Ermordung in Riga entgegen. Nur wenige überlebten. In den Tagen zuvor wurden die Menschen in ihrer Wohnorten zusammengetrieben und dann – oftmals mit „Sonderwagen“, die an regulär verkehrende Züge angehängt wurden – nach Stuttgart und dort in das Sammellager auf dem Killesberg gebracht. Sieben weitere große Deportationen aus Württemberg, systematisch organisiert in der Gestapozentrale im „Hotel Silber“ folgten zwischen dem 26. April 1942 und dem 11. Januar 1944.

An diese erste Deportation aus Stuttgart erinnert eine Veranstaltung der AnStifter, der Stuttgarter Nordgemeinde, des Vereins „Zeichen der Erinnerung“ , des Mauthausen-Komitees Stuttgart und der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber.

Zu Beginn des Abends zeigen wir einen Film mit Hannelore Marx, die die Deportation nach Riga und die anschließende vierjährige Leidenszeit in verschiedenen Lagern überlebt hat und heute 94-jährig in New York lebt. Der Film des Filmemachers Steffen Kayser ist im Mai 2016 dort entstanden im Rahmen des Projektes des Stadtjugendringes und der Stolperstein-Initiativen „Fragezeichen– Jugendliche im Gespräch mit Zeitzeug*innen des Nationalsozialismus“.
In Erinnerung an den Auftakt dieses Mordprogramms vor 75 Jahren liest anschließend der Oberroter Autor Titus Simon ein neu zusammengestelltes Programm aus seinem im Herbst in 2. Auflage erschienenen Roman „Hundsgeschrei“.
Den musikalischen Part dieser Veranstaltung übernimmt der Liederpoet Erik Beisswenger.
Der in Hessen aufgewachsene und seit langem ebenfalls in Oberrot lebende Künstler hat bereits mehrere CDs mit eigenen deutschen Liedern veröffentlicht. Für diese Veranstaltung hat er Gedichte von Mascha Kaleko, Selma Meerbaum-Eisinger, Siegfried Einstein, Walter Mehring und Albrecht Haushofer – allesamt jüdische  Zeitzeugen der schrecklichen Ereignisse des letzten Jahrhunderts – vertont.

Foto, Klaus

Erinnerung an die Ermordung psychisch kranker und behinderter Menschen

Posted by Klaus on 27th Januar 2016 in Allgemein

Bus GrafenauSozialministerin Katrin Altpeter hat der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Auf einer Gedenkveranstaltung im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Winnenden erinnerte sie insbesondere an die Ermordung der über 10.500 psychisch kranken und behinderten Menschen, an der im Südwesten neben staatlichen Stellen auch die damaligen Heim- und Pflegeanstalten beteiligt waren.

„Die gewissenlose und industriell betriebene Ermordung von Millionen von Menschen durch die Nationalsozialisten war der größte Zivilisationsbruch der Geschichte. Wir alle sind aufgefordert, dafür zu sorgen, dass sich so etwas niemals wiederholt“, sagte Altpeter.

Die Ministerin betonte, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit für die Gegenwart sei. „Es ist unsere Aufgabe, aus der Beschäftigung mit dieser dunklen Vergangenheit Deutschlands Lehren zu ziehen, die nicht nur uns, sondern auch künftigen Generationen Orientierung geben. Die Beschäftigung mit dem Thema in unseren Schulen, Berufsschulen und Universitäten, der Besuch von ehemaligen Konzentrationslagern, Gedenkveranstaltungen und Denkmäler und Mahnmale – das alles hält nicht nur die Erinnerung an die Opfer wach, sondern schärft auch unser Bewusstsein für viele ethische Fragestellungen der heutigen Zeit.“

Altpeter wies darauf hin, dass neben der zentralen Gedenkfeier in Winnenden auch an anderen Zentren für Psychiatrie im Land Veranstaltungen sattfinden, bei denen der Opfer gedacht wird.

gra1Ermordung von 70.000 psychisch kranke und behinderte Menschen

Auf Grund des so genanntem „Euthanasie-Erlasses“ von 1939 wurden im Deutschen Reich 1940/41 im Rahmen der so genannten „Aktion T4“ (benannt nach der eigens hierfür in der Tiergartenstraße 4 in Berlin eingerichteten Behörde) über 70.000 psychisch kranke und behinderte Menschen ermordet. Im baden-württembergischen Grafeneck fielen der Aktion über 10.600 Menschen zum Opfer. Die „Aktion T4“ wurde von den Nazis ideologisch als „Euthanasie“ und als „Aktion Gnadentod“ verbrämt und mit rassenhygienischen und ökonomischen Argumenten begründet.

Quelle, Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren

Fotos, Blogarchiv

Calwer Erinnerungen an die Kriegszeiten

Posted by Klaus on 3rd April 2015 in Allgemein

Pressemitteilung – Stadt Calw

Vor 70 Jahren lag Europa in Schutt und Asche, die seelischen und moralischen Verwüstungen waren immens. Vor 100 Jahren, 1915, nahmen die Schlachten des Ersten Weltkrieges immer grausamere und apokalyptischere Dimensionen an. Die laufende Veranstaltungsreihe „2015 1945 1915 erinnern Calw“ richtet den Blick nach Calw, die Menschen und ihr Erleben.

In Gedenken an die Kriegszeiten, die Wege, die dorthin führten und die unzähligen Opfer von Gewalt und Verfolgung bieten die Evangelische Erwachsenenbildung nördlicher Schwarzwald, die vhs Calw und das Archiv und die Musikschule der Stadt Calw die Veranstaltungsreihe gemeinsam noch bis Ende November an. Dabei sollen nicht nur Vor-träge das Geschehen und seine Folgen veranschaulichen und eine Annäherung an die Katastrophen des 20. Jahrhundert möglich machen. Weitere Formen der Erinnerung bieten ein szenischer Rundgang, die Erzählung von Zeitzeugen, Konzerte und ein Gottesdienst. So soll die Reihe nicht nur Informationen vermitteln, sondern zum Nach- und Umdenken anregen und Anstöße geben für die weitere Beschäftigung mit dem Thema Krieg und Gewalt und deren Folgen. Unter anderem beschäftigt sich eine Veranstaltung mit dem Thema „Calw und der Nationalsozialismus“, ein szenischer Rundgang führt an die „Orte der Diktatur in Calw“ und die Aurelius Sängerknaben laden zum Konzert „Media vita in mors sumus“.

Das gesamte Programm ist zu finden unter www.eb-schwarzwald.de

Innenminister Reinhold Gall eröffnet Polizeimuseum am Pragsattel

Posted by Klaus on 25th Februar 2015 in Allgemein, Es war einmal, Fotos

Im Polizeipräsidium am Pragsattel hat Innenminister Reinhold Gall am Mittwoch (25.02.2014) das neue Polizeimuseum Stuttgart eröffnet. Gemeinsam mit Polizeipräsident Franz Lutz und Kurator Michael Kühner stellte der Minister im Beisein von zahlreichen Ehrengästen am Abend symbolisch die ‚Ampel auf Grün‘. Das Polizeimuseum Stuttgart befasst sich mit der gesamten Geschichte der Stuttgarter Polizei, angefangen von der Monarchie 1848 über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus, bis in die Gegenwart.

In einer Feierstunde im Großen Saal des Präsidiums erinnerte der Innenminister, der die Schirmherrschaft über das Polizeimuseum übernommen hat, an die Bedeutung der historischen Wurzeln für die Entwicklungen in der Gesellschaft und besonders auch in der Polizei. „Hier werden Themen angesprochen, die für die staatsbürgerliche Bildung und zur Entwicklung und Stärkung eines demokratischen Bewusstseins wichtig sind“, sagte Innenminister Reinhold Gall.

Unterschiedlichste, interessant aufbereitete Themen zur Geschichte der Stuttgarter Polizei seien im Museum aufgearbeitet. Exponate, Dokumente, Fotos und Filme würden erlebnisorientiert in den Ausstellungsräumen präsentiert. „In der Veranstaltungsreihe ‚Kultur im Foyer‘ werden die historischen und politischen Zusammenhänge ausführlich erklärt. So wird das Museum zum Ort der Diskussion, auch zwischen den Generationen“, sagte der Innenminister.

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Fotos, Blogarchiv Oldie, Klaus

Verständigung über Finanzierung und Organisationsstruktur des Erinnerungsort Hotel Silber

Posted by Klaus on 24th Februar 2015 in Allgemein, Es war einmal, Stuttgart

K-Hotel-Silber-Beim vierten Runden Tisch „Erinnerungsort Hotel Silber“ haben sich Land und Stadt Stuttgart mit der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. über wichtige organisatorische und strukturelle Fragen verständigt. Einvernehmen besteht auch, dass das 2. Obergeschoss ab dem Jahr 2017 für die Einrichtung der Wechselausstellung hinzukommen soll. Damit kann der Erinnerungsort wieder auf einer Grundfläche von rund 1.000 Quadratmeter realisiert werden.

Die Fragen zur Finanzierung, Organisation, Gremien und Struktur des Erinnerungsorts Hotel Silber sowie die Mitsprache der Initiative sollen in einem zwischen Land und Stadt Stuttgart abzuschließenden Kooperationsvertrag geregelt werden. „Nachdem die Finanzierung durch Stadt und Land steht, schaffen wir damit nun die Grundlagen für eine Institutionalisierung der Bürgerbeteiligung am Gedenk- und Lernort ‚Hotel Silber‘,“ so die Staatssekretäre Jürgen Walter und Peter Hofelich. Die Finanzierungszusage der Stadt steht dabei unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch den Gemeinderat.

In einer zwischen der Initiative Lern- und Gedenkort e.V. und dem Haus der Geschichte abzuschließenden Nutzungs- und Bürgerbeteiligungsvereinbarung sollen die Bedingungen für die bürgerschaftliche Nutzung festgeschrieben werden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Runden Tisches von Stadt, Land und Bürgerinitiative haben sich auf Eckpunkte beider Vereinbarungen verständigt. Diese sollen im Rahmen von Gesprächen nun näher ausgestaltet werden.

Einigkeit wurde ebenfalls darüber erzielt, die Ausschreibung eines Gestaltungswettbewerbs auf der Basis des bereits gebilligten Grobkonzepts baldmöglichst anzugehen. „Hieraus erhoffen wir uns wertvolle Anregungen für die Umsetzung der Dauerausstellung, mit dem Ziel, die Eröffnung des Erinnerungsorts Hotel Silber im Jahr 2017 sicherzustellen“, so Walter und Hofelich.

Das Land sei sich seiner Verantwortung zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit bewusst. Neben der Übernahme der Trägerschaft und Finanzierung für den Lern- und Gedenkort Hotel Silber werde dies auch an der Erhöhung der Mittel für die Gedenkstättenförderung des Landes und an der Unterstützung des Forschungsprojekts zur Geschichte der Landesministerien in Baden und Württemberg in der Zeit des Nationalsozialismus deutlich.

Walter und Hofelich dankten allen am Prozess Beteiligten von Stadt, Land und Bürgerinitiative sowie den Vertretern des Hauses der Geschichte, Prof. Thomas Schnabel und Dr. Paula Lutum-Lenger, für ihr Engagement zur Realisierung des Projekts.

Foto, Blogarchiv

Holocaust-Gedenktag mahnt zur Achtung der Menschen

Posted by Klaus on 26th Januar 2015 in Allgemein
Pressemitteilung

Zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ und der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 70 Jahren erklärt der Generalsekretär der CDU Deutschlands, Dr. Peter Tauber:

Auschwitz steht wie kein anderer Name für die Gräuel während der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft und für den Völkermord an den europäischen Juden. Am 27.Januar 1945 haben sowjetische Soldaten die letzten etwa 7000 Häftlinge des Vernichtungslagers befreit. Sie stießen auf die Spuren der Krematorien und Barackenunterkünfte, fanden Berge von Kleidern, Schuhen, Brillen, Haaren und Zahngold – alles Zeugnisse des unendlichen Schreckens, den die Opfer durchleiden mussten.

Wir müssen die Erinnerung an das nationalsozialistische Grauen und an das diktatorische Regime wachhalten, gerade bei jungen Menschen. Wir müssen ihren Blick dafür schärfen, Rassismus und Totalitarismus schon in ihren Anfängen zu erkennen. Das ist der beste Schutz gegenüber all jenen, die auch jetzt wieder den Boden für neuen Hass und für neue Ausgrenzung bestimmter Menschen oder Gruppen bereiten wollen. Nie wieder dürfen wir zulassen, dass in Deutschland solche Verbrechen geschehen und Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer politischen Überzeugung, ihrer Volkszugehörigkeit oder sexuellen Orientierung verfolgt, eingesperrt und getötet werden.

Es bleibt eine Daueraufgabe, sich immer wieder für die Achtung der Menschenwürde und für unsere freiheitlichen Werte einzusetzen. Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus schlägt somit die Brücke in die Zukunft. Denn aus der Erinnerung erwächst die Mahnung, die unantastbare Würde des Menschen zu achten, sie unter allen Umständen zu wahren und sich Antisemitismus und Rassismus entschieden entgegenzustellen.

Infos:
wikipedia/KZ_Auschwitz
KZ_Auschwitz-Birkenau
KZ_Auschwitz_I_Stammlager

Fotos, Blogarchiv

Veranstaltungshinweise: „Denunziation“ im Hotel Silber, 19.11.2014

Ehm. Hotel SilberÜber das Phänomen der massenhaften Denunziation
im Nationalsozialismus, in der unmittelbaren Nachkriegszeit und in der DDR

sprechen am Mittwoch, 19. November 2014, um 19 Uhr, Hotel Silber, Dorotheenstraße 10
Prof. Dr. Gisela Diewald-Kerkmann (Universität Bielefeld) und
Dr. Anita Krätzner (Stasi-Unterlagenbehörde)

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist erforderlich: Telefon 0711/212-3989 oder E-Mail: besucherdienst(at)hdgbw

„Zwischen „gefährlichem Jugendverderber“ und „männlicher Lebensführung“

23. November 2014, 18:30 Uhr

Weissenburg e.V. schwul-lesbisches Zentrum Stuttgart
Weißenburgstr. 28A:

Forschungsergebnisse zu Homosexualitäts- und Sittlichkeitsverbrechen im Südwesten in den Jahren 1933 bis 1945
Es berichten Studenten vom Historischen Institut der Universität Stuttgart

Foto, Blogarchiv

ZEITZEUGEN IM FOKUS – FRANZ HIRTH UND ERICH SCHWARZ

Pressemitteilung

8. Oktober 2014, 19 Uhr: ZEITZEUGEN IM FOKUS – FRANZ HIRTH UND ERICH SCHWARZ

Ehm. Hotel SilberDie Stuttgarter Franz Hirth und Erich Schwarz waren beide noch Kinder als ihre Eltern von der Gestapo verhaftet und zum Verhör ins „Hotel Silber“ gebracht wurden. Ihre Erlebnisse im und um das „Hotel Silber“ lassen sie bis heute nicht los. Auf welches Interesse stießen und stoßen ihre Erzählungen aus der Zeit des Nationalsozialismus? Was zeichnet ihre Erfahrungsberichte aus? Und welche besonderen Qualitäten haben Zeitzeugenberichte im Vergleich zur Vermittlung reiner Fakten? Über diese Fragen und ihre Lebensgeschichten sprechen die Zeitzeugen an dem Abend. Dabei soll es auch darum gehen, welche Bedeutung Zeitzeugen in der historisch-politischen Bildung zukommt.

Das Gespräch wird moderiert von Prof. Dr. Wolf Ritscher (Dipl.-Psychologe mit dem Arbeitsschwerpunkt psychologische Folgen des Nationalsozialismus).

Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei, eine Anmeldung ist erforderlich: Telefon 0711/212-3989 oder E-Mail: besucherdienst(at)hdgbw

Ort der Veranstaltung: „Hotel Silber“, Dorotheenstraße 10, 70173 Stuttgart

Hintergrundinformationen zur Veranstaltungsreihe Auftakt „Hotel Silber“:

Vor dem Umbau öffnet das Hotel Silber 2014 für eine zweite Veranstaltungsreihe wieder seine Tore. Organisiert wird die Reihe von den drei Kooperationspartnern, dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg, der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. und der Landeshauptstadt Stuttgart.

An mehreren Abenden werden der historische Ort und Aspekte der Geschichte der Polizei und der Gestapo beleuchtet. Dabei stellt sich immer wieder die Frage: Was geht uns diese Geschichte heute noch an?

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Schell

Ein Buch für Freunde des Zeppelin-Gymnasiums und der Literatur

Doris Rothmund, Ein rabiater Liebhaber der Stille, Roman, C.M. Brendle Verlag Albstadt, 2014, 172 S. € 14,50

Bild-hist.-ZG,-Stöckach_000Ist das Zeppelin-Gymnasium, vormals Reformrealgymnasium, eine Brut- stätte von Literaten? Literaturkenner werden den Büchnerpreisträger Hermann Lenz sofort nennen können, einige wenige haben den Namen Eugen Gottlob Winkler gehört. Die Lehrerin Eva Leipprand dürften eher politisch Interessierte kennen, sie war einige Jahre Kulturbürgermeisterin in Augsburg. Und nun tritt die promovierte Germanistin und Lehrerin für Politik und Ethik Doris Rothmund mit einem Roman an die literarisch interessierte Öffentlichkeit. Sie hat ihr erstes Jahr der Pensionierung genutzt, um einen Roman zu schreiben: Ein rabiater Liebhaber der Stille. Wer ist dieser rabiate Liebhaber? Da bleibt Rothmund ihrem Gymnasium treu: es ist Eugen Gottlob Winkler. Er selbst hat sich in seinem Notizbuch so bezeichnet. Rothmund hat sich in seine veröffentlichten Texte vertieft, hat im Archiv Notizen und Briefe gelesen, in der Festschrift zum 100. Jubiläum des Zeppelin-Gymnasiums eine Würdigung über den Dichter verfasst und mit ihrer Kollegin Brigitte Baumeister und Schülerinnen und Schülern zwei Filme über Winkler gedreht, die auf youtube veröffentlich sind.

Rothmund nähert sich W., wie sie ihn im Roman nennt, nicht literaturwissenschaftlich, sondern aus der Autorenperspektive und versucht seine Person, seine Vita und seinen Freitod zu beschreiben und zu erklären. Aus der Ich-Perspektive lässt sie eine Bibliothekarin in einer oberschwäbischen Kleinstadt – Rothmund ist in diesem Milieu groß geworden – ihre eigene Lebensgeschichte befragen, die eng mit W. verknüpft ist, da sie als Mädchen W. in Tübingen bei den Nazi-Behörden denunzierte und er daraufhin für zehn Tage in „Schutzhaft“ kam und schließlich mangels Beweisen freigesprochen wurde. Zugleich versetzt sich Rothmund in zwölf Versuchen in die Person von Eugen Gottlob Winkler. Hier benützt sie die dritte Person und die erlebte Rede und stützt sich auf Texte von W. Auf diese Weise wird Winkler mehr und mehr zu einem „runden“ Charakter. Der blitzgescheite und geniale Schüler, der in jungen Jahren bei Karl Vossler promoviert, sucht seiner ärmlichen und kleinbürgerlichen Welt zu entkommen, lebt das Leben eines Dandys und möchte ein Stern am Himmel der Literatur werden. Er liebt Italien, muss aber in der beklemmenden Enge des aufkommenden Nationalsozialismus in Tübingen leben und schließlich einsam, verlassen von Mutter und Freunden, sich in München sein Leben nehmen, nachdem er vor dem Haus seines Idols Thomas Mann nach seinen Personalien gefragt wurde.

Rothmund dringt in sein Inneres, schildert seine intimen Wünsche, seinen permanenter Geldmangel, seine literarischen Sehnsüchte, die hart an die neue, deutsche Wirklichkeit stoßen. Er träumt von einer Laura, wo ihm deutsche Mädels namens Traudel und Ursel begegnen. „Keine würde in seine dunklen zarten unvollendeten Gedichte eindringen, in denen Frauen höchstens unbeschreiblich und oder kostbar sein könnten.“ Sensibel spürt Rothmund dem Dichter und der Frau nach und schafft ein spannendes Buch, das Einblick  gibt in das Leben eines jungen Dichters, in das einer Frau, deren Biographie schicksalhaft mit ihm verwoben ist, und schließlich in den Beginn einer schrecklichen Diktatur. Dabei gelingt es Rothmund bis zur letzten Seite die Spannung aufrecht zu erhalten. Eine Lektüre, die Freude macht und die sich lohnt. Zudem rühmt der Roman auch in gewisser Weise das Zeppelin-Gymnasium als eine Schule von Literaten. „Ihn zieht es […] vorbei an seinem Gymnasium, das keine schreckende Erinnerung bei ihm hinterlassen hat. Ein optimistischer Bau, vollendet 1912, mitten im Frieden, aber im Untergangsjahr der Titanic und im Geburtsjahr von W.“ Im Jahr 1936 ist er gestorben. „Er ist im Süden, es ist Sommer, nichts hat mehr Gewicht und die Farben haben sich aufgelöst. Es gibt nur noch Helle und an das Meeresrauschen hat er sich gewöhnt: so als ob Stille wäre.“                                                                           R.W. Juni 14

Eugen Gottlob Winkler (1912-1936) lebte in Stuttgart-Wangen, wo er auch begraben ist und besuchte das Zeppelin-Gymnasium. Die ehemalige Lehrerin am Zeppelin-Gymnasium, Dr. Doris Rothmund, hat einen Roman über den begabten Schüler und späteren Schriftsteller, der am Nazi-Regime zugrunde ging, geschrieben. Eine interessante Lektüre für alle Freunde der Literatur in Stuttgart-Ost und in den Neckarvororten.

youtube/ Das kurze Leben des Eugen Gottlob Winkler (Zeppelin-Gymnasium Stuttgart)

Den Hinweis hat uns Familie Weh zugeschick, vielen Dank

Foto, Blogarchiv Weh